Kazam Tornado 348 im Dauertest

Das Kazam Tornado 348 ist das flachste Smartphone der Welt. Dabei verfügt diese China Flunder über einen Octa-Core-Prozessor und ein 4,8-Zoll-HD-Display. Das reicht um die meisten Alltagsaufgaben zu meistern. Nach jetzt 1,5 Jahren im täglichen persönlichen Einsatz und auch als exotisches Testgerät im Büro. Allein die Verbindung zum ADB Interface war eine Herausforderung. Aber dazu später mehr.

Verarbeitung und Design

Rein äußerlich ist das meiner Meinung nach das schönste Smartphone auf dem Markt. Ich erinnere mich noch genau als ich es beim Hardware Händler um die Ecke das erste mal in der Hand hatte. Nach gut 5 Minuten war die Entscheidung gefallen. Das Preis/Leistungs-Verhältnis ist nur schwer zu schlagen wenn man bereit ist gewisse Abstriche zu machen.

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Jeder der das Tornado 348 in die Hand nimmt ist überrascht wie dünn und mit 96 Gramm extrem leicht ein Smartphone sein kann. Trotzdem fühlt sich das Tornado sehr hochwertig an. Dafür sorgt auch der abgerundete Aluminiumrahmen, der rund um das Gehäuse verläuft. Vorder- und Rückseite sind mit Gorilla-Glas 3 bestückt, was ebenfalls zu einer hochwertigen allgemein Eindruck beiträgt. Wenn man persönlich allergisch auf Kratzer reagiert sollte man die mitgelieferte Silikonhülle benutzen. Die Rückseite ist sonst sehr schnell durch.

Löblich ist das Kazam dem Tornado 348 eine Display-Schutzfolie und sogar die erwähnte Silikonhülle beilegt. So können Kratzer auf beiden Seiten vermieden werden. Allerdings kommt das Design unter der durchsichtigen Silikonhülle kaum noch zur Geltung. Deswegen verzichte ich persönlich immer auf die Hüllen. Dafür bietet die Hülle eine Griffigkeit, die den sonst glatten Flächen des Tornados abgeht. Ohne die Hülle hat man am Anfang häufig das Gefühl, das flache Smartphone könne einem unvermittelt aus der Hand gleiten. Das gibt sich aber nach ein paar Wochen. Danach will man dieses Gefühl der Leichtigkeit nicht mehr missen.

Der Ein/Aus-Schalters und der Lautstärke-Wippe sitzen beide an der linken Gehäuseseite – also genau umgekehrt zur Positionierung bei den meisten anderen Smartphones. Das erfordert ein bisschen Umgewöhnung, da die Tasten von Rechtshändern mit Mittel- beziehungsweise Zeigefinger an Stelle des Daumens bedient werden müssen. Stört aber keineswegs. Die Android-Bedienelemente sind glücklicherweise als Hardwaretasten unter dem Display angeordnet, wodurch auf dem 4,8-Zoll-Display kein Platz verloren geht.

Die Verarbeitung ist perfekt, bei den Spaltmaßen sind keine Fehler erkennbar, nichts knarzt oder wackelt. Die beiden Hardware-Tasten bieten einen angenehmen Druckpunkt.

Kazam schafft nicht nur mit Silikonhülle und Display-Folie gute Voraussetzung für ein langes unbeschädigtes Leben des Tornado 348, der Hersteller bietet auch einen besonderen Reparatur-Service: Sollte das Display trotz Gorilla-Glas beschädigt werden, beispielsweise durch einen unsanften Sturz, so tauscht Kazam einmalig das beschädigte Display kostenlos aus. Voraussetzung ist, dass das Gerät vom Nutzer bei Kazam registriert wird.

Das Tornado 348 sieht sehr gut aus und fühlt sich auch gut an. Die Materialien wirken hochwertig und an der Verarbeitung gibt es nichts auszusetzen. Weitere Pluspunkte sammelt das Smartphone mit der mitgelieferten Display-Schutzfolie, der Silikonhülle und dem einmaligen Display-Tausch-Service. Da können selbst große Unternehmen nicht mithalten.

Bewertung: 5/5

Display

Das AMOLED-Display misst 4,8 Zoll in der Diagonale und liefert eine Auflösung von 720 x 1.280 Pixeln. Das ist zwar keine Spitzenauflösung, reicht aber mit einer Pixeldichte von 306 ppi für eine gute Darstellung. Einzelne Pixel sind nur bei sehr genauem Hinsehen erkennbar und verschwinden, wenn das Gerät in einem normalen Betrachtungsabstand gehalten wird.

Die Farben sind wie von AMOLEDs gewohnt sehr kräftig und wirken dadurch teilweise etwas unnatürlich. Während der Schwarzwert gut ist, driftet Weiß etwas ins Gelbliche ab. Auch bei der maximalen Helligkeit schneidet das Tornado 348 nur mittelmäßig ab – bei Sonnenschein fällt das Ablesen der Anzeige schon sehr schwer.

Die automatische Helligkeitsregulierung reagiert einigermaßen zügig, kann allerdings nicht individuell nachjustiert werden. Die ermittelte Helligkeit fällt in der Regel etwas hoch aus. Nichts zu bemängeln gibt es in Sachen Blickwinkelstabilität: Das Display dunkelt zwar etwas ab, je weiter der Betrachtungswinkel geändert wird; Farben werden jedoch kaum verfälscht.

Beim Display leistet Kazam gute Arbeit. Die Schärfe ist ausreichend hoch und Farben wirken ansprechend kräftig. Allerdings wäre eine höhere maximale Helligkeit nötig, um das Display auch bei Sonnenschein im Freien ablesen zu können.

Bewertung: 4/5

Ausstattung und Leistung

Ein Octa-Core-Prozessor von Mediatek mit einer Taktung von 1,7 GHz sorgt für die Rechenleistung. Er kann aber leider nur auf einen 1 GB großen Arbeitsspeicher zugreifen. Die Navigation durch verschiedene Menüs und Untermenüs bewältigt diese Kombination verzögerungsfrei.

Im AnTuTu-Benchmark schneidet das Tornado 348 mit 33533 Punkten ab und reicht damit schon fast an das scheidende LG-Flaggschiff LG G3 heran. Bei Spielen liefert die Kombination jedoch eine teils durchwachsene Leistung ab. Selbst im Alltag treten immer wieder kleiner Ruckler auf. Diese Aussetzer sind vermutlich dem recht kleinen Arbeitsspeicher geschuldet.

Der interne Speicher ist 16 GB groß, dem Nutzer stehen davon allerdings nur 9,75 GB zur Verfügung, da der Rest Systemdateien vorbehalten ist. Zudem lässt sich der Speicher nicht per SD-Karte erweitern. Je nach Nutzungsverhalten können die knapp 10 GB schnell aufgebraucht sein, wenn beispielsweise eine umfangreiche Musiksammlung oder eine Vielzahl größerer Apps installiert wird.

Bei der Sprachqualität patzt das Tornado 348 etwas. Die Qualität ist nur befriedigend. Vor allem wenn man den Lautsprecher benutzen möchte. Er ist wirklich nicht zu gebrauchen.

Was dem Tornado 348 außerdem abgeht ist leider der schnelle Daten-Standard LTE, der auch in der mittleren Preisklasse um 300 Euro, in der sich das Tornado bewegt, mittlerweile zum Standard gehört.

Ausstattung

FeatureJaNeinFunktion
HSPAXErweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 21 Mbit/s
HSPA+XErweiterung des Mobilfunkstandards UMTS, Down-max. 42 Mbit/s
LTEXMobilfunkstandard, Down-max 150 Mbit/s
USB-OTGXErmöglicht den Anschluss externer Geräte wie USB-Sticks, Festplatten oder Tastaturen
DLNAXStandard zu kabellosen Übertragung von Medieninhalten, zum Beispiel auf einen Fernseher
NFCXErmöglicht eine Bluetooth-Verbindung zu einem anderen Gerät durch kurzes Berühren
MiracastXErmöglicht das kabellose Teilen der Anzeige mit einem anderem Gerät
MHLXErlaubt die kabelgebundene Verbindung über die Micro-USB-Schnittstelle zu einem HDMI-Port
Infrarot-FernbedienungXErmöglicht den Einsatz als Universal-Fernbedienung
Bluetooth-VersionX4.0
WLAN-StandardsX802.11 a/b/g/n/
QiXErmöglicht das kabellose Laden des Smartphones
Dual-SIMXErmöglicht den Betrieb von zwei SIM-Karten parallel

Die technische Ausstattung ist für diese Preisklasse gerade noch in Ordnung. Der Prozessor leistet größtenteils eine gute Arbeit und die wichtigsten Verbindungsstandards sind vorhanden. Allerdings wären LTE, NFC und die Möglichkeit, den internen Speicher per Micro-SD-Karte zu erweitern schön gewesen.

Bewertung: 3,5/5

Kamera

Die Hauptkamera löst mit 8 Megapixeln auf, was einer durchschnittlichen Auflösung in der Smartphone-Mittelklasse entspricht. Die zweite Kamera auf der Vorderseite bietet eine Auflösung von 5 Megapixeln.

Selbst bei guten Lichtverhältnissen liefert die Kamera durchwachsene Ergebnisse ab: Auch bei idealen Bedingungen gehen viele Details verloren, was vor allem bei der Betrachtung auf dem PC-Bildschirm auffällt. Farben werden hingegen recht natürlich eingefangen und für die Preisklasse in Ordnung.

Bei abnehmendem Licht zeigt die Kamera schnell ein deutliches Rauschen und weitere Detailverluste. Am Tag sind die Bilder recht gut. Videos, die das Tornado 348 mit einer maximalen Auflösung von 1.920 x 1.080, also Full-HD, aufnehmen kann,haben ebenfalls eine ausreichend gute Qualität.

Die zweite Kamera löst mit 5 Megapixeln zwar recht hoch auf, allerdings gelingen mit ihr auch bei gutem Licht kaum rauschfreie Aufnahmen und Details werden schnell geschluckt.

Die Kamera eignet sich für Schnappschüsse und Bilder, die vor allem auf Smartphone-Displays betrachtet werden. Wer mehr von einer Smartphone-Kamera erwartet, muss in der Regel tiefer in die Tasche greifen.

Bewertung: 3/5

Software und Multimedia

Auf dem Tornado 348 kommt Android in der Version 4.4.2 alias KitKat zum Einsatz. Die Version ist nicht mehr ganz taufrisch – viele aktuelle Smartphone-Modelle kommen bereits mit dem neueren Android 5, das auch auf den Namen Lollipop hört. An der Nutzeroberfläche legt Kazam nur dezent Hand an. Android-Puristen dürfte das freuen.

Auch die restliche Software-Ausstattung ist äußerst minimalistisch gehalten: Für gängige Funktionen wie Musik- oder Video-Wiedergabe zeichnen Google-eigene Dienste wie Play Music und Play Video verantwortlich. Diese ermöglichen nicht nur das Abspielen der eigenen Musik, sondern können auch als kostenpflichtige Dienste zum Downloads von Musik und Filmen genutzt werden.

Dass Kazam an Software nur das nötigste installiert freut Android-Puristen und auch mich persönlich. Otto-Normal-Verbraucher muss sich so allerdings seine Apps erst im Play Store zusammensuchen. Die mitgelieferten Kopfhörer sind ok, der integrierte Lautsprecher ist dagegen nicht zu gebrauchen.

Bewertung: 3/5

Akku

Mit 2.050 mAh fällt die Akkukapazität nicht besonders hoch aus. Wahrscheinlich stößt man bei der flachen Bauweise des Gehäuses auch hier an Grenzen. Dementsprechend kann sich das Tornado 348 auch nicht mit Dauerläuferqualitäten brüsten. Allzu schnell geht ihm die Puste aber auch nicht aus. Ausgewechselt kann der Akku nicht werden, er ist fest verbaut. Dafür verfügt das Torando 348 über eine Energiespar-Option, die die Leistung des Prozessors drosselt, um eine längere Laufzeit zu erreichen. Die Leistung reicht aber meist für einen Tag.

Die Akkulaufzeit hält sich zwar in Grenzen, einen Arbeitstag bei moderaten Nutzung sollte das Tornado 348 aber problemlos überstehen.

Bewertung: 3,5/5

Preis/Leistung

Kazam setzt die unverbindliche Preisempfehlung für das Tornado 348 bei 299 Euro an. Der Straßenpreis liegt derzeit jedoch um 180 Euro. Damit gehört das Tornado 348 zur günstigeren Smartphone-Mittelklasse. Verarbeitung und haptische Anmutung können aber auch mit höher-preisigen Geräten mithalten. Und auch die technische Ausstattung ist für den Preis angemessen – auch wenn dem Tornado 348 LTE fehlt und die Kamera eine unterdurchschnittliche Leistung an den Tag legt.

Pro

  • Schickes, flaches Design
  • Gute Verarbeitung
  • Gutes Display
  • Display-Folie und Silikonhülle im Lieferumfang

Contra

  • Kein erweiterbarer Speicher
  • Schwache Kamera
  • LTE und NFC fehlen

Android Enwicklung mit dem Kazam Tornado 348

Es war wirklich eine Herausforderung das Gerät mit der Entwicklungsumgebung auf meinen Windows-Rechner zu verbinden. Das liegt an der fehlenden Treiber-Unterstützung für Kazam. Löblicherweise liefert Kazam auf dem Telefon entsprechende Treiber mit. Zunächst muss man diese Treiber auf den eigenen Rechner kopieren und installieren. Dazu hangelt man sich durch die Treibereinstellungen von Windows bis zu manuellen Auswahl eines Treibers von der eigenen Festplatte. Außerdem muss man den Hersteller-Code des Telefons manuell bekannt machen. Dazu editiert man die adb_usb Datei im Verzeichniss „C:\Users\DeinBenutzer\.android“ und fügt folgende Zeile hinzu:

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Nach einem Neustart des Betriebssystems sollte das Kazam von Eclipse oder Android Studio als Entwicklergerät erkannt werden. Klingt nicht nur Aufwendig, das war es auch. Aber es liegt schlicht an der geringen Verbreitung von Kazam Modellen. Daher kommt auch die mangelnde Unterstützung seitens Windows oder anderen Betriebssystemen. Übrigens, das gleiche Verfahren funktioniert auch auf MacOsx.

Und nach 1,5 Jahren?

Nach 1,5 Jahren weist der Rahmen trotz harter Schläge nur geringe Schäden auf. Das Display überlebte harte Stürze auf das blanke Parkett ohne weitere Probleme oder großer Schäden. Die Vorder- und Rückseite weist zwar Kratzer auf, diese sind jedoch nicht besonders störend. Der Akku hält immer noch ganz gut durch für sein Alter. Insgesamt wirkt das Tornado 348 nicht nur gut verarbeitet, das ist es auch.

Vor einem Monat ist mir das Display leider gesprungen. Im Betrieb ist davon glücklicherweise nichts zu sehen. Dabei ist das Tornado aus 1,5 m auf eine Metallkante gefallen. Die anderen zig Fälle auf das heimische Parkett hat es bisher ohne größere Schäden überstanden. Was mich wirklich sehr überrascht hat. Den Display Wechsel habe ich leider nicht ausprobiert. Vielleicht hast du persönlich Erfahrungen mit Kazam in diesem Fall sammeln können?

Fazit

Das Kazam Tornado 348 überzeugt vor allem mit seinem schicken Äußeren. Den geringen Preis – derzeit wird es im Online-Handel zu nur noch 180 Euro angeboten – sieht man dem gut verarbeiteten und extrem flachen Gehäuse nicht an. Das Display trägt ebenfalls zu einem positiven Erscheinungsbild bei, auch wenn mittlerweile teils höhere Auflösungen verbaut werden.

Abstriche muss man bei der Kamera machen und auf LTE sowie NFC verzichten. Der Octa-Core-Prozessor leistet zwar gute Arbeit, wird allerdings offenbar vom recht kleinen Arbeitsspeicher ausgebremst. Zudem wäre es schön gewesen, wenn der interne Speicher per SD-Karte erweiterbar wäre.

Schön ist das Software-seitig nur das Nötigste zum Einsatz kommt. Die etwas angestaubte Android-Version 4.4.2 läuft hier fast in Reinform mit nur dezenten optischen Änderungen. Vorinstalliert sind lediglich die obligatorischen Google-Dienste wie Play Music und Play Filme. Plus-Punkte sammelt Kazam mit seinem Display-Tausch-Angebot sowie der im Lieferumfang enthaltenen Silikonhülle und der Display-Schutzfolie.